01.12.2020 | CFA Society Germany

7.000 Marktteilnehmer befragt: Wie nachhaltig ist die Finanzbranche wirklich?

Frankfurt am Main, 1. Dezember 2020 – Das CFA Institute, ein globaler Finanzverband mit mehr als 160.000 Mitgliedern, stellt heute die Ergebnisse der groß angelegten Studie The Future of Sustainability in Investment Management: From Ideas to Reality vor. Für die Studie wurden weltweit mehr als 7.000 Marktteilnehmer, darunter über 900 institutionelle Investoren, rund 3.500 Privatanleger sowie 2.800 Praktiker aus der Finanzindustrie, befragt.

Ziel der Untersuchung ist es, wesentliche globale Trends zum Thema nachhaltige Geldanlage (Sustainable Investing) und deren Auswirkungen auf die Investmentbranche einzufangen. Der Diskurs zu dem Thema wird durch die COVID-19-Pandemie, die Fragen nach der Vernetzung, Verwundbarkeit und Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems aufwirft, zusätzlich angetrieben.

Die Ergebnisse legen nahe, dass länderübergreifend 85 Prozent der Investmentmanager ökologische (Environmental) oder soziale (Social) oder auf eine verantwortungsvolle Unternehmensführung (Governance) bezogene Kriterien in Anlageentscheidungen einbeziehen. Dies entspricht einem Plus von 12 Prozent gegenüber der Vorgängerbefragung vor drei Jahren.

Diese Wachstumsdynamik wird von einer starken Nachfrage seitens mehrerer Anlegergruppen getragen. Drei Viertel (76 Prozent) der institutionellen Anleger und 69 Prozent der Privatanleger weltweit (in Deutschland sogar 81 Prozent) zeigen sich derzeit interessiert an ESG-Investments oder sind bereits entsprechend positioniert.

"Die Einbeziehung von Nachhaltigkeit wird ein wichtiger Aspekt zur Verfolgung des übergeordneten Daseinszwecks der Finanzindustrie: Langfristige Werte zu schaffen und damit den gesamtgesellschaftlichen Wohlstand zu heben“, kommentiert Margaret Franklin, CFA, CEO und Präsidentin des CFA Institute.

Weitere wesentliche Erkenntnisse der Erhebung

Die Qualität und Integration von Nachhaltigkeitsdaten sowie die fachliche Kompetenz der Praktiker im Umgang mit diesen Variablen werden zu Schlüsselkompetenzen innerhalb der Branche:

  • Verfügbarkeit und Nutzung alternativer Daten auf Basis fortschrittlicher Technologien gewinnen an Bedeutung. Zwei von drei Umfrageteilnehmern(71 Prozent), die dezidiert zu diesem Thema befragt wurden, zeigten sich überzeugt, dass damit robustere Analysen und letztlich Wettbewerbsvorteile erzielt werden.
  • Bei der Ausbildung hochqualifizierter Nachhaltigkeitsexperten besteht noch Aufholbedarf. Von einer Million dem Finanzsektor zugeordneter LinkedIn-Profile führen lediglich 8.000 das Thema „ESG“ als Kernexpertise auf. Diese Zahl ist jedoch innerhalb eines Jahres um 26 Prozent gestiegen. Das weitere Wachstum dürfte überproportional hoch sein.
  • Bislang traut sich nur jeder zehnte (11 Prozent) der weltweiten Finanzprofis ein umfassendes Wissen zum Thema ESG zu. 70 Prozent wünschen sich dazu mehr Training seitens ihrer Arbeitgeber.

Angesichts der Kundennachfrage wird erwartet, dass zahlreiche Anbieter ihre Anlagemodelle neu bewerten und Produktportfolien erweitern, wobei die Einbindung von ESG-Kriterien und sogenannte Best-in-Class-Ansätze (Unternehmen, die sich beim Branchenvergleich besonders auszeichnen im Hinblick auf ökologische, soziale oder ethische Kriterien) gegenüber Ausschlussmethoden präferiert werden. Produktseitig werden Potenziale unter anderen in Indexfonds und quantitativen Strategien gesehen sowie in Themen- und ESG-Multi Asset Fonds, klimabezogenen Investments sowie Lösungen mit langfristigem Anlagehorizont.

Ausblick: Wandel wird vorangetrieben

Der Principles for Responsible Investment-Initiative der UN, die ins Leben gerufen wurde, um Grundsätze für verantwortliche Geldanlagen zu entwickeln, sind bislang mehr als 3.000 institutionelle Investoren beigetreten, die ein Vermögen in Höhe von rund 100 Billionen US-Dollar verwalten, Tendenz steigend. „Während der temporären Drawdown-Phase zu Beginn der Pandemie im ersten und zweiten Quartal hat sich gezeigt, dass Unternehmen mit sehr guten ESG-Ratings möglicherweise gegenüber marktbreiten Indizes selektiv krisenresistenter waren“, ergänzt Susan Spinner, CFA, geschäftsführender Vorstand der CFA Society Germany. „Diese Daten und weitere Dimensionen des Themas gilt es für eine branchenweite ESG-Integration, die künftig noch systematischer erfasst wird, zu validieren. Die Bewährungsprobe besteht darin, die Wirkung der Kapitalanlage und die Schaffung von Werten entlang von ESG-Faktoren in die Praxis und die Lehrbücher zur Kapitalanlage einzubinden. Dabei wird das Konzept des Shareholder Value, das vornehmlich auf die Ansprüche der Investoren und Kapitalgeber fokussiert, abgelöst durch einen Stakeholder-Ansatz, der mehrere Interessengruppen ganzheitlich berücksichtigt“.

 

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Über den Report The Future of Sustainability in Investment Management: From Ideas to Reality

Für die Studie wurden weltweit mehr als 7.000 Marktteilnehmer, darunter 921 institutionelle Investoren (Pensions- und Staatsfonds, Stiftungen, Versicherungen mit einem verwalteten Vermögen von 50 Millionen US-Dollar oder mehr) sowie 3.525 Privatanleger (durchschnittliche Anlagesumme mindestens 100.000 US-Dollar) und 2.800 Investmentpraktiker aus dem Mitgliederkreis des CFA Institute, im März 2020 befragt.

Ergänzend wurden Fokusgruppen-/Roundtable-Gespräche geführt.

Die Autorin / Der Autor

CFA Society Germany

Die CFA Society Germany ist der führende und mitgliedsstärkste Berufsverband für professionelle Investoren und Investmentmanager in Deutschland. Mit mehr als 2.800 Mitgliedern repräsentiert die CFA Society Germany einen Querschnitt der ... mehr