30.06.2008

Fair Value Measurement

Um die Gewinnermittlung und die Risiken in einem Unternehmen analysieren zu können, benötigen Investoren Informationen: Wie schafft das Unternehmen Werte? Wie nachhaltig und transparent ist der Prozess der Wertschöpfung? Wurden Risiken in der Jahresbilanz ordnungsgemäß offengelegt? Hat das Management die Risiken im Griff?

Diese Fragen kann ein Investor nur beantworten, wenn das Unternehmen ausreichend Informationen zur Verfügung stellt. Nur dann kann er das Potenzial, das heißt die möglichen Gewinne und die damit verbundenen Risiken, richtig bewerten. Wenn das Unternehmen in einem volatilen, also wechselhaften Markt tätig ist und es damit anfällig ist für Wertschwankungen, darf dem Investor diese Volatilität nicht verborgen bleiben.

Fair Value-Prinzip erhöht Transparenz

Das Fair Value-Prinzip, also das Bilanzieren zu aktuellen Marktwerten, stellt transparente und vollständige Informationen zur Verfügung. Fair Value (Marktwert) bildet den Betrag ab, zu dem sachverständige und vertragswillige Parteien unter üblichen Marktbedingungen bereit wären, einen Vermögenswert zu tauschen oder eine Verbindlichkeit zu begleichen. Eine Bewertung nach dem Fair Value-Prinzip bedeutet also, Vermögensgegenstände oder Schulden mit dem marktüblichen Wert in der Bilanz anzusetzen und nicht mit dem Anschaffungswert.

Jedoch wurde in der aktuellen Medienberichterstattung der Fair Value-Bewertung oft eine erhebliche Mitschuld für die Schwierigkeiten am Markt für US-Hypothekenanleihen zugeschrieben. Weil für einige Papiere, die keine Abnehmer mehr fanden, zeitweise gar kein Markt mehr bestand - beispielsweise verschiedene Formen von Verbriefungen von  "Subprime"-Immobilienkrediten - sei es zu enormen Abschreibungen auf Seiten der Banken gekommen. Denn die Banken mussten die Papiere dennoch zu ihrem aktuellen Marktwert bilanzieren.

Vorzüge des Marktwerts

Bei dieser Argumentation wird jedoch übersehen, dass die jüngsten Probleme auf den Finanzmärkten gerade wegen mangelnder Transparenz bei der Kreditvergabe an Empfänger mit geringer Bonität und mangelnder Transparenz bei der Verbriefung verursacht wurden. Es werden also Ursache und Wirkung vertauscht.

Wer dem Marktwertprinzip zuvor skeptisch gegenüber stand, sollte gerade jetzt dessen Vorzüge erkennen: Die Transparenz, die Fair Value-Bewertung gewährleistet, ist fundamental für das effiziente und effektive Funktionieren der Märkte. Vor dem Hintergrund der aktuellen Krise am Subprime- Hypothekenmarkt sollte niemand mehr behaupten, dass es "verrückt" sei,  diesen einen nachvollziehbaren Zeitwert zuzuschreiben.

Ungeglättete Zahlen

Denn was Investoren wirklich benötigen, sind aktuelle und ungeglättete Werte, die die tatsächliche Marktlage abbilden. Nur hierdurch wird das Vertrauen von Investoren in die globalen Märkte hergestellt. Ein "Glätten" der Zahlen oder ein Ansatz nach dem Motto "was hätte sein können" ist unrealistisch und gibt die finanzielle Lage eines Unternehmens nicht wahrheitsgemäß wider.

Diese Einschätzung bestätigt auch eine Umfrage des CFA Institute, dem internationalen Berufsverband für Finanzanalysten und Investment-Experten mit weltweit rund 94.000 Mitgliedern. Der Verband befragte seine Mitglieder zum Fair Value-Prinzip. 2000 Finanzanalysten und Investment Manager aus der Praxis nahmen an der Befragung teil. Davon glauben 79 Prozent, dass die Bewertung von Vermögenswerten zum Marktwert die Transparenz auf den internationalen Kapitalmärkten erhöht hat und zu einem besseren Verständnis der Investoren über die Risiken von Finanzinstitutionen beiträgt. 74 Prozent der Befragten sind der Überzeugung, dass sich durch das Fair Value-Prinzip die Beschaffenheit der Kapitalmärkte insgesamt verbessert.

BaFin-Chef für Fair Value 

Auch der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Jochen Sanio, sprach sich kürzlich für eine Beibehaltung der Fair Value-Bewertung aus. Auf der Jahrespressekonferenz der BaFin widersprach Sanio der Forderung, die Fair Value-Methode wieder abzuschaffen. Dies würde den Eindruck erwecken, es gäbe etwas zu verbergen.