21.12.2011

CFA Charterholder erwarten 2012 eine schwache Entwicklung für Wirtschaft und Märkte und zweifeln an der Integrität der Finanzindustrie

Global Market Sentiment Survey befragt 2.500 Investmentexperten: verbesserte Regulierung hat Priorität, vor allem für die deutschen Charterholder

New York / Frankfurt — 21. Dezember 2011 — CFA-Mitglieder weltweit schätzen die Entwicklung der Kapitalmärkte im kommenden Jahr weiterhin pessimistisch ein. Das ergab die Umfrage des CFA Institute ‚2012 Global Market Sentiment Survey‘. Im Rahmen dieser Umfrage wurden mehr als 2.500 Charterholder und Mitglieder des CFA Institute über die Perspektiven der globalen Kapitalmärkte und die anhaltenden Schwierigkeiten rund um die globale Schuldenkrise befragt. Eine Zusammenfassung und die Ergebnisse der Befragung finden Sie unter www.cfainstitute.org.

„Auch im nächsten Jahr bleiben die Anleger stark besorgt, was die Entwicklung der Märkte sowie die Branchenethik angeht. Solange nicht die Wiederherstellung des Vertrauens der Investoren oberste Priorität genießt, ist eine Rückkehr zu einer starken wirtschaftlichen Performance nur schwer vorstellbar“, so Kurt Schacht, Geschäftsführer des Bereichs „Market Policy“ des CFA Institute. „Die Branchenteilnehmer müssen Initiativen ergreifen, um das Anlegervertrauen in die Fairness der Märkte wiederherzustellen.“ Dabei fordern vor allem die deutschen Charterholder eine verbesserte Regulierung und Überwachung der globalen Systemrisiken. Mit einer Zustimmung von 49 Prozent liegen die befragten Deutschen weit vor ihren Kollegen in den USA (28 Prozent) oder dem globalen Durchschnitt (38 Prozent). „Das zeigt, dass die Akteure der Finanzbranche in Deutschland eher zu den Treibern als den Bremsern eine besseren Regulierung zählen“, kommentiert Susan Spinner, die Geschäftsführerin der German CFA Society.

Umfrage deutet auf gedrückte Stimmung für globale Märkte hin

Die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage:

Prognostizierte Underperformance von Aktien gegenüber anderen Anlageklassen.

Weltweit gehen 59 Prozent der Befragten davon aus, dass andere Anlageklassen gegenüber Aktien 2012 die Oberhand haben werden. Die Befragten in den USA sind jedoch optimistischer. Dort glaubt eine Mehrheit, dass globale Aktien 2012 an erster Stelle sein werden.

Schuldenkrise dürfte fortdauern.

Mehr als 75 Prozent der Befragten sehen für 2012 keine Verbesserung im Hinblick auf die Staatsschuldenkrise. Diese Einschätzung wird weltweit mehr oder weniger geteilt.

Ausblick für Weltwirtschaft ist schwach.

Nur 34 Prozent der Befragten gehen von einem globalen Wirtschaftswachstum aus und 29 Prozent glauben, dass die Weltwirtschaft sogar schrumpfen wird.

Meinung zur Marktintegrität bleibt düster.

Mehr als 75 Prozent der Befragten sehen für 2012 keine Verbesserung der Marktintegrität. Zweiundzwanzig Prozent (neun Prozentpunkte mehr als im Vorjahr) sind sogar der Meinung, dass im kommenden Jahr eine Verschlechterung eintreten wird, während wiederum 22 Prozent (zehn Prozentpunkte weniger als im Vorjahr) der Ansicht sind, dass es zu einer Verbesserung kommen wird.

Mangelnde Fortschritte im Hinblick auf Identifizierung und Minderung systemischer Risiken weltweit.

Im Vergleich zu nur 23 Prozent im Vorjahr führen nun 38 Prozent der Befragten eine verbesserte Regulierung und Kontrolle der globalen systemischen Risiken als die dringlichste regulatorische/branchenspezifische Aufgabe für 2012 an. Andere Optionen, wie z.B. eine bessere Umsetzung bestehender Gesetze und Vorschriften, werden als weniger dringlich angesehen.

Ein Lichtblick: BRIC-Märkte (Brasilien, Russland, Indien und China) bewerten lokale Wirtschaftsperspektiven optimistisch.

Die Befragten in den BRIC-Märkten und in Australien gingen für 2012 mit überwältigender Mehrheit von einem Wirtschaftswachstum in ihren Märkten aus. In Europa gestaltet sich der Ausblick ganz anders: Hier sehen 85 Prozent oder mehr der Befragten in Schlüsselländern keinerlei Chance auf ein Wirtschaftswachstum.

Einstellung in den USA driftet bei wichtigsten Themen vom globalen Konsens ab

Obwohl ein Großteil der Umfrageergebnisse weltweit relativ einheitlich ausfiel, haben die Befragten in den USA zu einigen Themen eine ganz eigene Sicht, wie etwa zum Renditepotenzial von Aktien. Zu den wesentlichen Unterschieden zählen Folgende:

  • Nur 12 Prozent der Befragten in den USA sind der Meinung, dass die US-Wirtschaft schrumpfen wird, während 23 Prozent von einer rückläufigen globalen Wirtschaftsleistung ausgehen.
  • Ferner schätzen die Befragten in den USA das Potenzial der Aktienmärkte optimistischer ein als der Rest der Welt. Mit 56 Prozent der Befragten sind die Vereinigten Staaten das einzige Land, in dem die Mehrheit von einer Outperformance der globalen Aktienmärkte ausgeht.
  • Bei der Befragung nach der dringlichsten regulatorischen oder branchenspezifischen Aufgabe nannten 28 Prozent der Befragten in den USA eine verbesserte Regulierung und Kontrolle, verglichen mit 38 Prozent weltweit. Als nächste Priorität (22 Prozent weltweit) führten 32 Prozent der Befragten in den USA eine effektive Umsetzung bestehender Gesetze und Vorschriften an.

Mit 26 Prozent sind die Befragten in den USA die größte Gruppe, die der Annahme sind, dass Unternehmen mit erhöhten Barmitteln in ihren Bilanzen damit beginnen dürften, Dividenden auszuschütten oder diese zu erhöhen, anstatt das Geld für andere Geschäftsmöglichkeiten zurückzubehalten.

Der 2012 Global Market Sentiment Survey des CFA Institute sammelt Eindrücke von Mitgliedern des CFA Institute, um Szenarios hinsichtlich der Marktstimmung, -performance und -integrität im kommenden Jahr zu erhalten. Diese Umfrage wurde online vom 2. bis 11. November 2011 durchgeführt.