16.09.2014

Falschberatung durch Banken und Finanzhäuser: Rechte von Privatanlegern verbessern

+ CFA Institute stellt Ergebnisse der Studie „Redress in Retail Investment Markets“ vor
+ Sechs Empfehlungen zur Rechtsdurchsetzung und Entschädigung der Privatanleger

Frankfurt/Brüssel, 9. September 2014 – In Kürze wird ein neuer EU-Binnenmarktkommissar die Nachfolge von Michel Barnier und damit auch die Zuständigkeit für Finanzdienstleistungen antreten.  Aus Sicht des CFA Institute, eines globalen Non-Profit-Berufsverbands mit mehr als 122.000 Mitgliedern in 145 Ländern, muss die neue EU-Kommission der Frage nach der Entschädigung von Privatanlegern bei Falschberatung durch Banken und Finanzvermittler künftig eine höhere Bedeutung beimessen. Jüngste Fälle in Spanien im Zusammenhang mit hybriden Finanzinstrumenten sowie mit Zinsabsicherungsgeschäften in Großbritannien zeigen, dass der Frage nach Sanktionen bei schwerwiegenden Verstößen eine hohe Bedeutung zukommt.

Zudem gilt es aus Sicht des CFA Institute aber auch, Privatanleger besser hinsichtlich ihrer Rechte und Möglichkeiten für Schadensersatzansprüche bei Anlagebetrug und Verstößen gegen Beratungspflichten zu informieren. Im Vorlauf zur Legislatur des neuen EU-Binnenmarktkommissars hat das CFA Institute daher den Report „Redress in Retail Investment Markets“ in den Diskurs eingebracht. In dem Report werden alle wesentlichen Wege der Streitbeilegung, der individuellen und kollektiven Interessenvertretung sowie Aufsichtspraktiken in Europa, Asien und den USA analysiert.

Empfehlungen:

  1. Privatanlegern sollte die Möglichkeit einer wirkungsvollen außergerichtlichen Einigung zustehen („Alternative Dispute Resolution“, ADR). Hierfür sollten industrieweit Strukturen und Regelungen geschaffen werden, die verpflichtend für alle Anbieter von Finanzprodukten gelten.
  2. Eine hohe Transparenz der ADR für Privatanleger führt zu einer größeren Aufmerksamkeit am Markt sowie zu einer besseren Vergleichbarkeit zwischen den ADR-Programmen und den verschiedenen Rechtsräumen (bspw. durch eine einheitliche Terminologie).
  3. Für Fälle, in denen eine große Anzahl von Privatanlegern geschädigt wurde, bedarf es einer gesonderten Vorgehensweisen zwecks einfacherer Verfahrensabwicklung. Diese muss von den verantwortlichen Regierungen und Behörden festgelegt werden.
  4. Das Financial Dispute Resolution Network (FIN-NET) der Europäischen Kommission sollte gestärkt werden. Es muss in der Lage sein, die verschiedenen ADR-Programme innerhalb der Europäischen Union zu überwachen sowie die relevanten Daten zusammenzuführen und zu veröffentlichen.
  5. Ein gemeinsamer europäischer Ansatz beim Monitoring des Beschwerdemanagements ist erstrebenswert, besonders im Hinblick auf den Austausch von Informationen und die Kooperation zwischen den einzelnen ADR-Programmen.
  6. Den Anbietern von Finanzprodukten sollten klare Vorgaben zur Umsetzung der ADR für Privatanleger gegeben werden.

Susan Spinner, CFA, Geschäftsführerin der CFA Society Germany, kommentiert: „Die Finanzindustrie muss besser auf die Bedürfnisse von Privatanlegern eingehen, wenn sie ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden will. Aus unserer Sicht verfügen Privatanleger noch nicht über ausreichende Handhabe, um im Falle von Fehlberatung oder Missmanagement ihre Rechte gegenüber den Anbietern von Finanzprodukten durchsetzen zu können. Es ist Aufgabe der Finanzindustrie, diese Mittel zur Verfügung zu stellen. Die Zukunft der Finanzindustrie wird auch davon abhängen, ob es gelingt, wirksame Entschädigungsmechanismen für Privatanleger anzubieten. Denn diese verlassen sich bei ihrer Altersvorsorge immer mehr auf die Produkte von Finanzdienstleistern.“

Die Studie kann kostenfrei unter dirk.ulmer@hkstrategies.com angefordert werden.


Über die Studie:
In der Studie wurden die wesentlichen Wege der Streitbeilegung, der individuellen und kollektiven Interessenvertretung sowie Aufsichtspraktiken in Europa, Asien und den USA mit Blick auf die Rechte und Möglichkeiten von Privatanlegern etwa bei Fehlberatung analysiert. Dabei wurden exemplarisch zwei aktuelle Fälle von Falschberatung in Spanien und Großbritannien detailliert analysiert.