30.08.2016 | Umfrage

Finanzen gehören in den schulischen Lehrplan

 

  • Größter deutscher Investment-Berufsverband befragt Mitglieder zu Rolle & Stand der finanziellen Bildung an Schulen
  • Umfrageteilnehmer sehen Defizite; über drei Viertel der Befragten halten Vermittlung von Finanzwissen an Schulen jedoch für wichtig bis sehr wichtig
  • Größte Bedeutung wird dem Verständnis von Kontoformen, Krediten und Vorsorgeprodukten zugemessen

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Frankfurt, 30. August 2016 – Deutsche Investment-Fachleute sehen großen Bedarf für eine bessere Vermittlung von Finanzwissen an deutschen Schulen. In einer aktuellen Umfrage der CFA Society Germany gaben 93% der Befragten dem aktuellen Stand der schulischen Finanzbildung die Note 4 und schlechter. Zugleich ordneten 76% der Befragten eine bessere Finanzbildung an Schulen als wichtig bis sehr wichtig ein. Die CFA Society Germany ist mit über 2.500 Einzelmitgliedern der größte Berufsverband für institutionelle Anleger, Portfolio Manager, Finanzanalysten und Investment Consultants in Deutschland und führte die Umfrage unter den Verbandsmitgliedern durch.

Basiswissen geht vor

Zu Kapitalmarktthemen besteht der Umfrage zufolge rundum ein hoher Aufklärungsbedarf: Zuvorderst zum Thema ‚Zins und Inflation‘ (7,56 auf einer Skala von 1 ‚kein Bedarf‘ bis 10 ‚sehr hoher Bedarf‘), dicht gefolgt von den Themen ‚Börsen und Märkte‘ (6,85) sowie ‚Angebot und Nachfrage von Kapital‘ (6,69).

Auch hinsichtlich Anlageklassen wird eine bessere Wissensvermittlung zu einem breiten Spektrum an Produkten gewünscht. Höchste Priorität haben dabei ‚Konten (Giro-, Festgeld- und Sparkonten)‘ mit einem Wert von 7,62 sowie ‚Kredite (Kreditkarten und Darlehensformen)‘ und ‚Vorsorgeprodukte (Versicherungen, Bausparen, Sparpläne etc.)‘ mit respektive 7,51 und 7,04 aus 10. Auch Aktien, Festverzinsliche Wertpapiere und Immobilien sollten noch eine Rolle im Unterricht spielen, während Alternative Investments (Rohstoffe, Edelmetalle etc.) deutlich zurückliegen.

Harald Edele, CFA, Direktor Kapitalmarkt und Regulierung der CFA Society Germany, kommentiert: „Auffällig ist bei diesen Umfrageergebnissen, dass gerade Investmentmanager – von denen man es vielleicht anders erwarten könnte – nicht zuvorderst Kenntnisse von vermeintlich lukrativeren Anlageklassen wie etwa Immobilien oder Alternativen Investments einfordern, sondern erst einmal ein Basiswissen zu Kontoformen, Krediten und Vorsorgeprodukten empfehlen.“

Kein eigenes Unterrichtsfach erforderlich

Die Schaffung eines eigenständigen Schulfachs ‚Finanzen‘ halten nur 35% der Befragten für erforderlich. 61% plädieren hingegen für die Integration des Themas in ein bestehendes Schulfach, bspw. Politik & Wirtschaft oder Wirtschaft & Recht. Als ergänzende Initiativen, die der schulischen Finanzbildung dienen könnten, nannten die Umfrageteilnehmer neben verpflichtenden oder freiwilligen Planspielen auch Fallstudien sowie die bessere Ausbildung von Lehrkräften rund um Finanzen, Versicherungen und Vorsorge. „Lehrkräfte besser zur Vermittlung von Finanzwissen zu befähigen ist ein Aspekt, der vielen Umfrageteilnehmern besonders wichtig ist. Zwar haben 48 Prozent der Befragten auch die Einbindung externen Expertenwissens, etwa durch Unterrichtsbesuche, befürwortet. Aber das Bewusstsein dafür, dass schulische Bildung vor allem neutral und nicht werblich bleiben muss, ist hoch,“ so Harald Edele.

Vermögensaufbau und Altersvorsorge im Zentrum

Zu den möglichen positiven Effekten eines besseren Finanzverständnis bei Schülern zählen die befragten CFA Verbandsmitglieder vor allem die ‚Sensibilisierung für Vermögensaufbau und Altersvorsorge‘ (67%) mit deutlichem Vorsprung vor einer ‚Frühzeitigen Vertrautheit mit den Kapitalmärkten (46%) sowie ‚Besseren Kenntnis der Anlageformen‘ (45%). „Darin und in der Umfrage als Ganzes zeichnet sich eine Sorge der erwachsenen Befragten um die finanzielle Zukunftssicherung der nächsten Generation ab“, fasst Harald Edele zusammen. „Darin drückt sich das Wissen unserer Verbandsmitglieder aus, dass das heutige finanzielle und gesellschaftliche Umfeld eine starke Eigeninitiative der Sparer und Anleger erfordert. Es ist essenziell, dass Schüler dies möglichst früh erfahren und auch das nötige Rüstzeug erhalten, um diese Herausforderungen zu meistern. “