17.06.2019 | CFA Institute

Pressemitteilung: Fast jeder zweite Investment Professional rechnet mit tiefgreifenden Veränderungen im Beruf

Ein Bericht des CFA Institute zeigt auf, welche Kompetenzen benötigt werden, um in disruptiven Zeiten erfolgreich zu sein

Charlottesville / Frankfurt, 17. Juni 2019 – In seinem neuen Bericht „Investment Professional of the Future“ untersucht das CFA Institute, wie die Disruption der Investmentbranche sich auf Berufsbilder, Kompetenzen und Organisationsstrukturen auswirkt. Als führender globaler Berufsverband für die Investmentbranche, veröffentlicht das CFA Institute hiermit den dritten Teil einer Publikationsreihe, die sich mit der Zukunft des Finanzsektors sowie den Implikationen für Unternehmen und Individuen in der Branche befasst. 

„Im Zeiten zunehmender Disruption und Komplexität wird die Halbwertzeit von Wissen immer kürzer“, so Paul Smith, CFA, Präsident und CEO des CFA Institute. „Für Investment Professionals von heute ist es überlebenswichtig, mit Disruption gut umgehen zu können. Mit unserem neuen Papier liefern wir wertvolle Empfehlungen, wie sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Investmentbranche sich anpassen und ihren Erfolg sichern können.“

Berufliche Anpassungsfähigkeit ist erfolgsentscheidend

Wie eine Befragung von über 3.800 Mitgliedern des CFA Institute sowie Prüfungskandidat/innen im CFA®Program zeigt, erwarten 48 Prozent, dass sich ihr Berufsbild in den kommenden fünf bis zehn Jahren drastisch verändern oder sogar vollständig verschwinden wird. Unter Finanzberater/innen liegt der Wert sogar bei 58 Prozent. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, wird der Aufbau neuer Kompetenzen entscheidend sein. Investment-Fachleute, die sich nicht anpassen, könnten aus dem Markt verdrängt werden. 

Des Weiteren stimmen 89 Prozent der befragten Führungskräfte zu, dass das Berufsbild jeder/jedes Einzelnen sich im Laufe der Karriere mehrfach ändern wird, womit Anpassungsfähigkeit und lebenslanges Lernen zu Kernkompetenzen für den zukünftigen Erfolg werden. 60 Prozent der Führungskräfte gehen davon aus, dass ihr Unternehmen in den kommenden fünf bis zehn Jahren stärker auf Weiterbildung und Personalentwicklung setzen muss. Im Gegenzug geben 87 Prozent der teilnehmenden Investment Professionals an, dass Weiterbildungs- und Entwicklungs-möglichkeiten zu den wichtigsten Angeboten eines Arbeitgebers zählen. 

Schlüsselkomponenten für eine gute individuelle Anpassungsfähigkeit sind ein facettenreicher bisheriger Werdegang (und damit vielfältige Erfahrungen) sowie die Offenheit, auch weiterhin Neues zu lernen. Das CFA Institute hat ein Online-Tool entwickelt, mit dem Investment-Fachleute ihre berufliche Anpassungsfähigkeit evaluieren und mit anderen Verbandsmitgliedern und Kandidat/innen des CFA Institute weltweit vergleichen können. 

Soft Skills und „T-shaped Skills“ gefordert

In punkto Weiterbildung sind Soft Skills, Alternative Investments (alternative Anlageklassen) sowie Portfolio Risk Optimization (Risiko-optimierte Portfolios) bei den Umfrageteilnehmer/innen derzeit am stärksten gefragt. Trotz des aktuellen Hypes lernen allerdings nur 17 Prozent der Befragten derzeit Programmiersprachen zur Datenanalyse, wie etwa Python, R oder MATLAB. Zudem lernen nur 12 Prozent aktuell den Umgang mit Datenvisualisierungs-Tools, wie Tableau oder Qlikview.  

Nachfrageseitig äußerten sich über 130 Finanz-Führungskräfte zu den Kompetenzen, die künftig am meisten benötigt werden und denen, die im Arbeitsmarkt am schwersten zu finden sind. Die größte Bedeutung wird künftig sogenannten „T-shaped Skills“ zukommen. Diese stuften die Führungskräfte um das Dreieinhalbfache höher ein als technische Fähigkeiten. „T-förmige“ Fachleute haben sowohl die spezifischen Kenntnisse ihres jeweiligen Spezialgebiets als auch ein breiteres professionelles Verständnis und Netzwerk. Es sind gerade diese T-shaped Skills als auch ‚Soft Skills‘, wie Kreativität und die Fähigkeit, über Fachgebiete hinweg Verknüpfungen herzustellen, die im Investmentsektor aktuell am schwersten zu finden sind. 

AI + HI: Die Zukunft der Arbeit im Investment

Investment Professionals wird insbesondere empfohlen, ihr Technologieverständnis zu verbessern. Mit „AI + HI“ wird das Zusammenspiel künstlicher Intelligenz (AI – artificial intelligence) und menschlicher Intelligenz (HI – human intelligence) bezeichnet. Führungskräfte geben an, dass künstliche Intelligenz der stärkste Katalysator für Disruption in der Branche ist, durch die etablierte Investmentberufe ersetzt und/oder erweitert werden. Routinevorgänge werden in Zukunft zunehmend von Maschinen übernommen werden. Dafür wird dem menschlichen Urteilsvermögen eine größere Bedeutung zukommen. Das ‚human/machine interface’ erfordert die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine. Den Unternehmen, die hier das richtige Gleichgewicht finden, werden die stärkste Innovationskraft und die größten Gewinne zufließen.

„Indem wir die Trends verstehen, die Investmentberufe in Zukunft formen werden, können wir auch das CFA Program sowie unsere weitergehenden Fortbildungsangebote entsprechend anpassen, um Investment-Fachleute heute und in kommenden Jahren bestmöglich auf die Zukunft vorzubereiten“, ergänzt Smith. So deckt das CFA Program seit diesem Jahr u.a. auch FinTech-Themen ab.  

Die Zukunftswerkstatt der Investmentbranche liegt in Asien

Für die Zukunft der Investmentbranche werden die asiatischen Märkte voraussichtlich richtungsweisend werden. Mit ihrer großen Offenheit für neue Technologien, schnell wachsenden Finanzmärkten und einem aufstrebenden Talentpool ist die Region bestmöglich positioniert, das neue Zentrum einer sich wandelnden Finanzbranche zu werden. 

Untersuchungen von Mercer im Auftrag des CFA Institute haben gezeigt, dass Indien mit einem Wachstum von bis zu 33 Prozent in den kommenden zehn Jahren der aussichtsreichste Markt werden dürfte. Getrieben wird dies vom starken Wirtschaftswachstum des Landes, dem stetigen Zustrom an Ingenieur/innen von seinen Hochschulen, einer wachsenden Mittelschicht sowie der zunehmenden Nachfrage nach Finanzdienstleistungen in der Bevölkerung. 

Methodik

Für die Studie „Investment Professional of the Future“ wurden weltweit 3.832 Mitglieder des CFA Institute sowie Kandidat/innen im CFA®Program zu ihrem Werdegang, ihrer Karriereplanung sowie ihren Erwartungen an ihre Arbeitgeber und die Branche befragt. Zudem wurde eine Umfrage zu den Veränderungen der Arbeitswelt im Investment Management unter 133 Führungskräften durchgeführt. Darüber hinaus wurde qualitatives Feedback von über 100 Teilnehmenden in Workshops und Einzelinterviews eingeholt, darunter Investment-Fachleute, Personal-, Weiterbildungs- und Entwicklungs-Manager/innen, Hochschullehrende und Personal-vermittler/innen. In der Publikationsreihe sind ebenfalls erschienen: „Future State of the Investment Profession“ und „Investment Firm of the Future“. 

Mehr Informationen auf der Website: http://futureprofessional.cfainstitute.org

 

CFA Institute & CFA Society Germany e. V.

Als globaler Non-Profit-Berufsverband für die Investmentbranche engagiert sich das CFA Institute für ethische und professionelle Branchenstandards in der Finanzindustrie und genießt weltweit hohes Ansehen als fundierte Wissensquelle für Kapitalmarktthemen. Hauptziel des Verbandes ist es, ein Umfeld zu schaffen, das die Interessen der Anleger/innen voranstellt und wirtschaftliches Wachstum sowie die Funktionsfähigkeit der Märkte gewährleistet. Das CFA Institute ist in 156 Lokalverbänden organisiert und hat weltweit mehr als 165.000 Mitglieder in über 164 Ländern. In Deutschland ist der Verband seit 2000 durch die CFA Society Germany vertreten, dem mit über 2.700 Mitgliedern mitgliedsstärksten Berufsverband für professionelle Investor/innen und Investmentmanager/innen in Deutschland. Weitere Informationen finden Sie unter: www.cfainstitute.org bzw. www.cfa-germany.de.

Die Autorin / Der Autor

CFA Institute

Das CFA Institute ist ein führender globaler Berufsverband für professionelle Investoren und Investmentmanager. Der Verband setzt internationale Maßstäbe in Sachen professionelle Standards und Weiterbildung. Neben dem Berufsbildungsprog ... mehr