30.05.2017

Neue Bankgebühren untergraben Kundenvertrauen

Umfrage: Finanzfachleute sehen Gebührenmodelle deutscher Kreditinstitute kritisch

Frankfurt/Main, 30. Mai 2017 – Als Reaktion auf sinkende Einnahmen und steigende Kosten haben im vergangenen Jahr immer mehr Kreditinstitute neue Gebühren eingeführt, die auch Privatkunden betreffen. Die Spanne reicht von der Abkehr vom kostenlosen Girokonto bis hin zu Gebühren für Barabhebungen oder Online-Überweisungen.

Eine aktuelle Mitgliederbefragung der CFA Society Germany, des mitgliedsstärksten Berufsverbands für professionelle Investoren und Investmentmanager in Deutschland, zeigt:

Nicht nur Verbraucher, auch Finanzprofis zeigen wenig Verständnis für die neuen Gebührenmodelle.

Beratung darf kosten, Automatisierung nicht Besonders kritisch sehen die 172 befragten Verbandsmitglieder Gebühren für automatisierte Dienstleistungen, wie etwa Online-Überweisungen oder Barabhebungen am Automaten. Aber auch Kosten für Tagesgeldeinlagen, Nutzung und Bereitstellung einer EC-Karte und Kontoführungsgebühren werden von den Finanzprofis als sachlich ungerechtfertigt beurteilt. „Als Berufsverband kennen wir die berechtigten Sorgen von Finanzinstituten und Finanzdienstleistern natürlich“, kommentiert Harald Edele, Direktor Kapitalmarkt und Regulierung der CFA Society Germany. „Dennoch zeigen die Rückmeldungen unserer Mitglieder deutlich, dass viele neue Gebühren selbst aus der Sicht von Finanz- und Investmentprofis nur begrenzt nachvollziehbar sind.“

Größere Akzeptanz finden dagegen Kosten für persönliche Kundenbetreuung und außerordentliche Dienstleistungen. So nennen einige der Befragten etwa die kostenpflichtige Inanspruchnahme von Schalterpersonal, von Filialen sowie individuellen Beratungsleistungen als legitim. Vertrauensverlust: Negative Auswirkungen über Bankenbranche hinaus Der Trend zu neuen Gebühren bleibt nicht ohne Folgen: Kreditinstitute müssen laut Umfrage damit rechnen, dass Kunden verstärkt zum Online-Banking übergehen und zu anderen Instituten abwandern (1,92 bzw. 1,87 auf einer Skala von 0 bis 3 (kein Effekt bis starker Effekt)). Einhergehend mit diesem Wettbewerb wird zudem eher erwartet, dass eine weitere Differenzierung der Gebührenmodelle eintritt, als dass sich eine Angleichung einstellt.

Für Verbraucher sind dies unerfreuliche Nachrichten. Eine fragmentierte Gebührenlandschaft macht es schwerer, Konditionen zu vergleichen; Angebote erscheinen intransparent. Als besonders gravierend hoben einzelne Umfrageteilnehmer daher auch „versteckte Gebühren aller Art“ hervor. Entsprechend gehen die Befragten auch davon aus, dass das Kundenvertrauen in die Bankenbranche durch die Schaffung neuer Gebühren erheblich sinken dürfte (-1,12 auf einer Skala von -2 (sinkt stark) bis +2 (steigt stark)). Dieser Vertrauensverlust beschränkt sich allerdings nicht nur auf Banken, sondern wird voraussichtlich auch die Finanzbranche als Ganzes negativ treffen.


Wie wirken sich nach Ihrer Einschätzung die neuen Gebühren auf die Kunden von Kreditinstituten aus? (-2 sinkt stark, -1 sinkt leicht, 0 keine Änderung, +1 steigt leicht, +2 steigt stark)

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Persönlicher Service und fundiertes Finanzwissen sind wertvolle Güter“, betont Harald Edele. „Als Verbraucher sollten wir bereit sein, für diesen Mehrwert auch zu zahlen. Wenn Finanzinstitute aber versuchen, diese Kosten über Gebühren an anderer Stelle zu decken, ist diese Intransparenz für das Kundenverhältnis und für das gesellschaftliche Ansehen der Finanzbranche kontraproduktiv.

Über die Studie Die Umfrage wurde im Zeitraum vom 2. bis 22. Mai 2017 online unter den Mitgliedern der CFA Society Germany e.V. durchgeführt. 172 Verbandsmitglieder aus Deutschland nahmen an der Befragung teil, was einer Antwortquote von knapp 7% entspricht. Die volle Umfrageauswertung ist auf Anfrage verfügbar.