12.07.2017

„Green Investments“: Was Anleger beachten sollten

6 Grundregeln für die Geldanlage nach ESG Kriterien

Frankfurt/Main, 12. Juli 2017 – Bei der Geldanlage liegen sogenannte ESG Faktoren (Environmental, Social & Good Governance) im Trend: Aktuelle Marktdaten aus Deutschland belegen einen Zuwachs nachhaltiger Geldanlagen um +15% von Ende 2015 auf 2016. Institutionelle Investoren sind die maßgeblichen Treiber dieser Entwicklung (90% der Investments), aber auch Privatanleger legen zunehmend Wert auf umweltfreundliche und sozialverträgliche Anlageoptionen.[1]

In einer im April 2017 veröffentlichten Studie des CFA Institute, sagten 73% von knapp 1.150 weltweit befragten professionellen Investoren voraus, dass Nachhaltigkeitskriterien für Anleger auch in den kommenden Jahren zunehmend wichtig werden.

Einstieg ins ESG Investing erleichtern

Aufgrund der großen Vielfalt von (vermeintlich) „grünen Investments“ und fehlenden einheitlichen Standards, ist es für Privatanleger jedoch oft schwer, sowohl finanziell als auch ökologisch und sozial wertvolle Anlageziele zu identifizieren. Experten der CFA Society Germany, des mitgliedsstärksten Berufsverbands für professionelle Investoren und Investmentmanager in Deutschland, haben daher die folgenden sechs Grundregeln aufgestellt, um Privatanlegern den Einstieg in die nachhaltige Geldanlage nach ESG Kriterien zu erleichtern:

  1. ESG nicht als Selbstzweck betrachten
    Bei aller Freude an Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit: Eine Geldanlage muss zunächst finanziell sinnvoll sein und muss eine attraktive Rendite ermöglichen. Ebenso sollten Sie bei ESG Investments auf ein sorgfältiges Risikomanagement achten. Gerade in den Bereichen Umwelt & Soziales streben viele innovative, junge Unternehmen in den Markt und machen ihn schwer vorhersagbar. Das bringt Verlustrisiken für Investoren mit sich.
    Auf die Rendite zu achten ist nicht nur für Ihren eigenen Geldbeutel gut, sondern stärkt auch die Idee des ESG Investing als Ganzes. Denn: Geschäftsmodelle, die gut gemeint sind, aber nicht profitabel laufen, sind nur selten dauerhaft tragfähig.
  2. Stärker auf E und S achten, weniger auf G
    Wer kein Investment-Profi ist, der sollte sich bei der Bewertung möglicher Anlageziele vorrangig auf ökologische und soziale Aspekte (das E und das S von ESG) konzentrieren. Diese Kategorien sind zumeist auch für Laien mit der notwendigen Recherche und Zeit gut einzuschätzen. Ob allerdings Unternehmen eine gute Corporate Governance-Struktur aufweisen oder nicht (das G von ESG), ist für durchschnittliche Privatanleger nur sehr schwer erkennbar. Hier sind professionelle Investmentfachleute und institutionelle Investoren gefragt.
  3. Engagierte Portfoliomanager aussuchen
    Wählen Sie Fonds aus, die von engagierten Portfoliomanagern verwaltet werden. Erkundigen Sie sich, ob der Portfoliomanager Kontakt zu Unternehmen aufnimmt, um Verbesserungen einzelner ESG Kriterien einzufordern. Erfragen sie auch, welche Konsequenzen es hat, wenn diese nicht oder nur unzureichend beantwortet werden.
    Zum Beispiel: Setzen globale Nahrungsmittelhersteller auf biologisch abbaubare Plastikverpackungen? Wenn nein,  warum nicht? Wie sehen die Konzerne das Risiko, an Aufräumkosten (z.B. im Pazifik) beteiligt zu werden?
    Gute Portfoliomanager nehmen die Bedürfnisse ihrer Investoren ernst und sind für den Dialog mit ihnen offen.
  4. Vorsicht vor Greenwashing
    Wie bei jeder Anlageentscheidung, muss auch bei ESG Investments eine gewisse Analyse- und Verständniszeit aufgewendet werden. Bleiben Sie kritisch und setzen Sie immer auf Ihren gesunden Menschenverstand. Das Kapital eines „Green Bond“ dient vielleicht der Finanzierung dezentraler Wasserkraftwerke – aber werden die künftigen Kupons dieses Green Bonds aus den Cash Flows von Atomreaktoren bedient?
    Und Achtung: Unternehmen geben sich gerne nachhaltiger als sie eigentlich sind. Dieses sogenannte "Greenwashing" oder "Social Washing" ist eine der größten Fallen des ESG Investierens.
  5. Keine reine „Häkchen-Technik“ anwenden
    Gerade weil ESG Kriterien noch so vielfältig und komplex sind, operieren viele Anleger mit dem Abarbeiten von Checklisten, um zu prüfen, ob etwas als ESG Investment gelten kann. Diese Häkchen-Technik ist zwar als Basisanalyse durchaus geeignet, als alleiniges Entscheidungstool ist sie aufgrund des sehr individuellen Charakters von ESG Investments aber eher nicht angebracht. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Unternehmen sich bereits gezielt auf diese Checklisten hin ausrichten. Dies führt zu einer neuen, milderen Form des "Greenwashings": Das Optimieren des Geschäftsmodells genau bis an das Minimum, das von Investoren gefordert wird.
  6. Zeit und Geduld mitbringen
    Wer sein Portfolio kurzfristig optimieren will, für den sind ESG Investments nicht das richtige. Die Idee einer ökologischen und sozialen Güte ist meist auf eine gewisse Dauer angelegt. Unternehmen brauchen die Zeit und Möglichkeit, Werte aufzubauen, zu etablieren und weiterzuentwickeln. Es kann länger als nur wenige Quartale dauern, bis Unternehmen und Staaten ESG Faktoren umgesetzt haben und diese sich auch auf Bonitäten, Cash Flows, Earnings etc. auswirken.  Ein monatlicher Vergleich mit ähnlichen Fonds ohne ESG Kriterien ist hier nicht zielführend.

Das CFA Institute legt bereits seit vielen Jahren einen Schwerpunkt auf die Wissensvermittlung zum Thema ESG Investment sowie die Förderung nachhaltiger Anlagestrategien. Im Rahmen des CFA Programms, dem führenden Qualifizierungsstandard in der Investmentbranche, ist ESG Investment in alle Stufen des Curriculums integriert. Auch in Deutschland richtet die CFA Society Germany durch Vorträge und Veranstaltungen ein besonderes Augenmerk auf nachhaltige Anlagestrategien. Im Rahmen der CFA Institute European Investment Conference am 16. und 17. November 2017 in Berlin wird ein thematischer Fokus auf der Nutzung von Big Data und quantitativer Analyse für ESG Anlagestrategien liegen.



[1] Quelle:  Forum Nachhaltige Geldanlagen